Basil in Indien 2007/2008

Bachelorarbeit am Indian Institute of Technology (IIT) Madras, Chennai, Tamil Nadu, Indien
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Kollam
Mittwoch besuchte ich wieder die Wäscherei und nahm Chris mit, da der Manager angekündigt hatte ein Photoalbum aus seiner Zeit in Saudi Arabien mitzubringen. Dort hatte er einen Deutschen kennen gelernt der Hitler positiv sieht. Das Album hatte er doch nicht dabei, einem anderen Angestellten, der mich noch nicht kannte, wurde ich als Hitler friend vorgestellt. Er zeigte auf Gandhi, der auf jedem Geldschein zu sehen ist, good man, ob bei uns auch Hitler Geldscheine schmücke. Er lässt sich nicht davon abbringen ihn als Held zu sehen.

Abends fuhr unser Zug nach Kollam im Nachbarbundesstaat Kerala, für mich das erste Mal im indischen Zug, nicht für die fünf anderen. Während der Fahrt kann man sich aus offenen Türen hängen oder durch ewiges mantraartiges Coffee-offee-offee..., Tee-Tee-Tee..., Palipalam... angekündigte Getränke oder Kringel mit heller Nusssosse die Zeit vertreiben. Wir fuhren über Nacht, pro Abteil zwei mal drei Liegen übereinander und zwei übereinander im Gang. Decken oder Kissen gab es in dieser Klasse nicht.

Ich lernte einen Inder kennen, er hatte in Jordanien viele Jahre als Journalist gearbeitet, kannte einige deutsche Politiker und Sportler, war sehr nett und gesprächig, legte auch seine Hand auf mein Knie oder meine Hand in seine, wie das hier üblich ist und nicht wie bei uns gedeutet werden kann. Nach mindestens zehn Minuten fragte er mich, ob ich wisse wer der Premierminister von Israel, danach, ob ich Jude sei. Es führte wie immer zum gleichen Thema, Hitler is our friend, bei dem Thema blieb es lange, zwei andere Inder versuchten mich in meiner Argumentation zu unterstützen, brachten Bismarck ins Spiel, indische mythologische Figuren, die aber zum Vergleich von ihm nicht akzeptiert und abgewiesen wurden, da der Bart ein ganz anderer sei, weiter zu diskutieren hatte also keinen Sinn.

Am nächsten Morgen draussen palmendominierte Vegetation, Hütten unter Palmen im scheinbaren Nirgendwo, kleine Bananenplantagen und Kautschukwäldchen.

Unser Hotel lag etwas ausserhalb der Stadt, schön gelegen mit Blick aufs Wasser. Schwimmpflanzen treiben und Hausboote ziehen vorbei, riesige braune Adler mit weissem Kopf sitzen in Palmen oder kreisen in der sauberen Luft. Wir überqueren das Wasser mit einem kleinen Boot, besteigen einen kleinen Bus und fahren eine dreiviertel Stunde tief in den Urwald hinein zu unserer Backwaterstour.


In einem kleinen Boot werden wir mit anderen Touristen durch Kanäle manövriert, der Bootsführer stösst das Boot von Ufer oder Grund mit einem langem Bambusstock ab. Wir ducken uns unter Brücken oder hängenden Pflanzen durch, sehen vereinzelt Kühe weiden, kleine Hütten mit fröhlich winkenden Menschen mitten im Wald, Kokospalmen, Eisvögel, unbekannte Wasservögel, Garnelenzuchtbecken, einen Mann nach Muscheln tauchen, Männer beladen im Wasser stehend ein Boot mit Sand vom Grund.



Die Kanäle sind eng, ständig streifen und Pflanzen. Auf diese Weise kam eine Gottesanbeterin auf unser Boot, angriffslustig umrundet sie es, bewegungstarnend schaukelnd, begibt sich zum Bug und ist irgendwann verschwunden.

Wir schneiden einen See, baden Füsse, Krokodile sind nicht in Sicht, legen an einer Hütte an, der Bootsführer klettert für uns auf eine Kokospalme. Später an Land zeigt er uns Gewürze: eine Rispe mit schwarzem Pfeffer und eine frische Form der Nelken, die manche Reisgerichte weihnachtlich aromatisieren.

Alle Photos dieses Tages in Kollam gibt es hier.

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