Basil in Indien 2007/2008

Bachelorarbeit am Indian Institute of Technology (IIT) Madras, Chennai, Tamil Nadu, Indien
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Kochi
Nachtrag zur Massage in Varkala:

Das schmale dünne Stück Stoff, welches, ölgetränkt wie es irgendwann war, seinen Zweck ohnehin nicht mehr erfüllen konnte, wurde einmal sogar noch abgenommen, als man auf dem Bauch lag, um vom Hals jeden Wirbel einzeln massiert zu bekommen. Bisher ist mir nie so deutlich bewusst geworden, bis wo die Wirbelsäule geht, hätte ich nur einen halben Wirbel mehr, er wäre sicherlich von Innen massiert worden.

Nach einer fünfstündigen Zugfahrt, mit, trotz ausgiebigem Waschen, deutlichen Rückständen von Öl in meinen Haaren, erreichen wir Kochi, wo wir mit zwei Rikschas mindestens eine dreiviertel Stunde unterwegs sind, bis unser Fahrer vor einem düsteren Park hält und meinte, wir sollen aussteigen und den Weg durch den Park nehmen, es sei eine Abkürzung. Wir weigern und unnachgiebig um danach festzustellen, dass der Fahrer den Weg nicht kennt und Passanten fragen muss; der Vorschlag der Abkürzung durch den Park demnach ein übler Trick.

(Ein schöner Warnhinweis im Zug, alle schreien, nicht wie die entspannten Menschen, die im Fluzeug bei den Sicherheitshinweisen zu sehen sind.)

Kochi ist u.a. bekannt für die fest installierten Chinesischen Fischernetze, die schon im 13. Jahrhundert eingeführt wurden. Im Wasser treiben Inseln von Schwimmpflanzen mit Schwimmblasen vorbei.

Angesichts der Bebauung mit Villen, der grossen Anzahl von Touristen und den etwas kühleren Temperaturen als in Chennai, wirkt es, als sei man am Mittelmeer. Auf der Suche nach dem Jain-Tempel, in dem um 12 Uhr Mittags Tauben gefüttert werden sollten, bekamen wir von mindestens fünf Indern mindestens fünf verschiedene Richtungen gezeigt, fanden aber nach einigen Wirrungen, die auch nicht uninteressant waren, doch irgendwann unser Ziel. Auf dem Weg gab es wieder Kinder, die photographiert werden wollten.





Abends, als die Sonne gerade unterging, war der Strand voll von Menschen die Flanierten und den Sonnenuntergang und die Netze in Aktion beobachteten, die mit Gegengewicht aus dem Wasser gehebelt wurden. Die Ausbeute schien gering, in den Kisten zum Verkauf aber grössere Fische, die wohl andernorts gefangen wurden.

Wir besuchten am Abend eine Kathakali-Vorstellung, eine Art indisches Tanzdrama. Es war eine Einführung in diese Kunst für Touristen. Die Tänzer schminkten sich gegenseitig aufwendig auf der Bühne bis die Vorstellung begann. Zu Beginn gab es eine halbstündige Erklärung. Es gab zwei Trommler und einen Sänger, der das Geschehen erklärt, sowie drei Charaktere (gespielt von Männern), zwischen denen kein gesprochener, sondern rein körpersprachlicher Dialog stattfindet. Es scheint für viele Begriffe Symbole zu geben, die äusserst komplex getanzt oder durch Handbewegung dargestellt werden, der Begriff Sonne dauerte etwa eine Minute, eine Kathakali-Vorstellung eigentlich etwa sechs Stunden. Mit dem Gesicht wird unentwegt gezuckt, Mundwinkel und sonstige Gesichtsmuskel zucken, weit aufgerissene Augen, die durch vorher halbstündiges Einlegens eines Samenkorns rot gefärbt sind, rollen. Nach den ersten zwei Minuten dachte ich mir würde schlecht, müsste ich das anderthalb Stunden ertragen, wenn ich mit überlege wie anstrengend und unangenehm mir das Zucken und -augenrollen wäre. Die Geschichte stammte aus der Mahabagavatham, der Göttergeschichte.

Die erste Szene, etwa 10 Minuten, war ein reines Geschrei, der schwarze Charakter, der Dämon, schminkte sich unter schrillen hässlichen Schreien und molk sich die eigene Brust.

Die Handlung knapp zusammengefasst: Ein grausames Mädchen fährt zum Himmel um göttliche Schönheiten zu fangen, verliebt sich auf dem Rückweg Jayanthan, verwandelt sich in ein hübsches Mädchen um seine Liebe zu gewinnen die dieser nicht erwidert, verwandelt sich zurück und greift an. Er scheidet ihr Ohren, Nase und Brüste ab, das Geschrei kann man sich kaum vorstellen. Dazwischen singt der Sänger, der fast in Trance mit geschlossenen Augen die Schellen schlägt, mit einer Inbrunst, dass sich einem die Nackenhaare sträuben.

Wenige Symbole konnte ich verstehen, sehr komplex ist die Formensprache aber fesselnd im Ausdruck. Mehr Photos der Aufführung hier, alle Photos des Tages hier.

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