Basil in Indien 2007/2008

Bachelorarbeit am Indian Institute of Technology (IIT) Madras, Chennai, Tamil Nadu, Indien
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Alltag
Zur Zeit nimmt mich meine Arbeit in Beschlag, weshalb ich an den letzten beiden Wochenenden keine grösseren Touren unternehmen, also in andere Städte fahren konnte. Dafür naht Weihnachten, für die Inder kein besonderer Tag, es sind sowieso Ferien und nur ein geringer Teil ist noch auf dem Campus. Um an den Feiertagen nicht wie an jedem anderen normalen Tag auch zu arbeiten, werde ich verreisen zu den schönen Adivasi-Frauen im rückständigen Bundesstaat Orissa ohne Strom und medizinische Versorgung und ohne Begleitung und in den tiefsten indischen Urwald, in dem es riesige Bienen gibt deren Stich töten und bisher kein Gegengift entwickelt werden konnte. Endlich werde ich Tiger und Elefanten sehen. Von dort aus werde ich in die von der Regierung für Besucher gesperrten Nikobaren eindringen um die Lebensweise der Menschenfresser kennenzulernen.

Vor kurzem war es an der Zeit zum Frisör zu gehen, ich hatte es so lange wie möglich herausgezögert aus Angst, hinterher den indischen Einheitsschnitt zu tragen. Für 50 Cent liess ich mir auf dem Campus die Haare schneiden, bekam einen rosaroten Umhang und der Junge fragte mich mit seinem wenigen Englisch, ob er short, medium oder long scheiden sollte, ich sagte zwei Zentimeter und gab mir Mühe ihm mit Gesten zu verstehen zu geben wie viel das ist und dass das die abzuschneidenden und nicht die überzulassende Länge sei. Mit einem Rasiermesser wurde mein Hals rundherum geschoren, mit minzig brennendem Alkohol eingerieben und gepudert. Zwischendurch bekam ich den Kopf massiert und fester als es entspannend gewesen wäre mit den Fingerknöcheln auf den Kopf getrommelt. Der nachlassende Schmerz war doch irgendwie entspannend.

Gesundheitlich geht es mir erstaunlicherweise, also trotz Experimenten, immer noch gut. Immer wieder kann ich meine Anforderungen an Hygiene reduzieren: wenn ich an einem Ort, der mir unhygienisch erscheint, etwas esse und ich am nächsten Tag keine Probleme habe, so waren meine Ansprüche an die Hygiene überzogen und können reduziert werden. Auf diese Weise taste ich mich immmer weiter vor, zum Beispiel mit mit einem Schraubenzieher zerkleinerter Kokosnuss, das Messer möchte man sich auch nicht näher ansehen. Oder mit sehr leckeren mit saftigen roten Zwiebeln gefüllten Samosa, die einem aus irgendeiner Kiste mit der Hand gereicht werden. Oder Kernen der Jackfrucht, die man direkt essen kann, von einem kleinen Wagen am Rande des Verkehrs, überreicht in Zeitungspapier von einem Händler der sich bestimmt den ganzen Tag noch nicht die Hände gewaschen hat. Oder irgendwo einem Fruchtsaft, der die einzige Frucht enthielt deren Namen ich nicht kannte und genau deshalb bestellt hatte. Oder Tee und frittierte rote Zwiebeln an irgend einer Bude am Strand, Kaffee aus Tassen, die man sich besser nicht näher ansieht und so weiter. Auch mit Moskitos habe ich wenige Probleme, ich sprühe mich selten ein und werde selten gestochen, sie scheinen mich nicht zu mögen, andere Deutsche trifft es schlimmer.

Es ist wieder etwas kühler geworden, man sieht die ersten Inder mit Sturmhaube oder dicker Wollmütze bei sicher noch über 25 Grad. Es nieselt alle paar Tage, die Affen drücken sich auf trockene Fensterbänke.

Die Rehe werden immmer zutraulicher auf dem immer verlasseneren Campus und lassen sich sogar von der fütternden Hand anfassen.

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